Fenecon

Zweites Leben für Autobatterien: Wie Fenecon das Netz der Zukunft stabilisiert

Warum Stadtwerke jetzt auf Kreislaufwirtschaft und dezentrale Speicher setzen müssen, um die Netze zu entlasten

In der Welt der Energiewende gibt es Momente, in denen sich technologische Notwendigkeit und unternehmerische Chance perfekt kreuzen. Der jüngste Coup des bayerischen Speicher-Spezialisten Fenecon ist ein solches Beispiel: Das Familienunternehmen hat Batterien des insolventen US-Elektroautoherstellers Fisker aufgekauft, um daraus stationäre Großspeicher zu bauen. Für uns in der Branche ist das weit mehr als nur eine clevere Resteverwertung. Es ist ein Lehrstück in Sachen Sektorkopplung, Ressourceneffizienz und vor allem: Netzstabilität.

Als Ingenieurin für Netzplanung sehe ich hier ein Muster, das bis 2030 zum Standard werden muss. Wir stehen vor der gewaltigen Aufgabe, Millionen von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen – von der Wärmepumpe bis zur Wallbox – in unsere Verteilnetze zu integrieren. Ohne massive Flexibilitätspuffer wird das physikalisch und ökonomisch nicht funktionieren. Fenecon zeigt uns, wie wir die ohnehin produzierten Kapazitäten der Mobilitätswende nutzen können, um die Stromwende zu sichern.

Die Hardware-Brücke: Warum E-Auto-Batterien ideal sind

Man muss die Physik dahinter verstehen: Eine Autobatterie, die für den Einsatz in einem Fahrzeug nicht mehr „perfekt“ genug ist (etwa weil die Kapazität auf 80 % gesunken ist), ist für eine stationäre Anwendung noch jahrelang ein Hochleistungsspeicher. Im Auto zählt jedes Gramm Gewicht und jede Sekunde Beschleunigung. Im Keller eines Stadtwerks oder neben einem Solarpark zählt die Verlässlichkeit und die Fähigkeit, Lastspitzen abzufangen.

Fenecon nutzt hierbei nicht nur „Second Life“-Batterien (gebraucht), sondern oft auch „New Life“-Komponenten aus Überproduktionen oder eben Insolvenzmassen. Das senkt die Gestehungskosten pro Kilowattstunde (kWh) massiv. Für ein Stadtwerk bedeutet das: Die Investitionshürde für Quartiersspeicher oder Regelleistungseinheiten sinkt. Wir reden hier nicht mehr über ökologische Liebhaberei, sondern über knallharte Wirtschaftlichkeit im Netzausbau.

§14a EnWG: Die neue Währung ist Flexibilität

Warum sollte Sie als Entscheider in einem Stadtwerk das interessieren? Die Antwort liegt im §14a EnWG. Seit Anfang 2024 sind wir verpflichtet, steuerbare Verbrauchseinrichtungen anzuschließen, dürfen sie aber im Notfall dimmen. Speicherlösungen, wie Fenecon sie anbietet – vom kleinen Heimspeicher bis zum stapelbaren Industriespeicher –, sind die Puffer, die verhindern, dass wir dieses Instrument überhaupt nutzen müssen.

Ein System aus dezentralen Speichern agiert wie ein Stoßdämpfer. Wenn die PV-Einspeisung im Niederspannungsnetz mittags ihren Peak erreicht, nehmen diese Systeme die Energie auf. In den Abendstunden, wenn die E-Autos in der Nachbarschaft gleichzeitig laden, geben sie sie wieder ab. Das entlastet die Transformatoren und spart am Ende teuren Kupferausbau. Systemisch gedacht: Wir wandeln das Problem (variable Erzeugung) in eine Lösung (steuerbare Flexibilität) um.

Der politische Reibungspunkt: Speicher vs. Gaskraftwerke

Interessant ist die aktuelle Kritik von Fenecon-Chef Franz-Josef Feilmeier an der Bundespolitik. Dass Wirtschaftsministerin Habeck (und die im Text erwähnte Skepsis gegenüber der Fokussierung auf Gas) Gaskraftwerke als primäre Brückentechnologie priorisiert, wird in Deggendorf kritisch gesehen. Und ich muss zustimmen: Wer nur in großen Gaskraftwerken denkt, verkennt das Potenzial der dezentralen Intelligenz.

Natürlich brauchen wir gesicherte Leistung für die dunkle Flaute. Aber für die täglichen Schwankungen und die lokale Netzstabilität sind Batteriespeicher technisch überlegen. Sie reagieren in Millisekunden, während ein Gaskraftwerk Hochlaufzeiten hat. Wenn wir die Speicherförderung und den Marktrahmen für Flexibilität vernachlässigen, verbauen wir uns den effizientesten Weg zur Dekarbonisierung. Ein Stadtwerk, das heute nur auf fossile Reserve setzt, plant an der Realität von 2035 vorbei.

Von Bayern in die Welt: Skalierbarkeit als Strategie

Fenecon plant nun den Sprung in die USA. Das ist ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass das Konzept der stapelbaren, modularen Speicher („Fenecon Industrial“) global konkurrenzfähig ist. Für deutsche Stadtwerke ist das eine gute Nachricht: Es bedeutet Planungssicherheit durch einen wachsenden Markt und technologische Reife.

Die Modularität ist dabei der Schlüssel. Ein Stadtwerk muss heute nicht wissen, wie viel Speicher es in zehn Jahren braucht. Man fängt mit einer Einheit an und stapelt nach Bedarf nach. Das ist genau die Agilität, die wir in der volatilen Energiewelt brauchen. Wir bewegen uns weg von monolithischen Großprojekten hin zu atmenden Infrastrukturen.

Was bedeutet das konkret für Ihr Stadtwerk?

Wenn Sie heute Ihre Nachhaltigkeitsstrategie oder Ihren Netzentwicklungsplan (NEP) überarbeiten, müssen Speicher als aktive Netzkomponenten auftauchen. Es geht nicht mehr nur darum, ob ein Kunde einen Speicher hat, sondern wie Sie als VNB (Verteilnetzbetreiber) diese Kapazitäten über intelligente Messsysteme (iMSys) ansteuern können.

  1. Monitoring stärken: Wo im Netz haben wir die höchsten Spannungsanhebungen durch PV? Dort gehören Speicherlösungen hin.
  2. Geschäftsmodelle entwickeln: Bieten Sie Ihren Industriekunden „Storage as a Service“ an. Fenecon liefert die Hardware, Sie liefern das energiewirtschaftliche Know-how und die Netzintegration.
  3. Kreislaufwirtschaft fördern: Achten Sie bei Ausschreibungen auf den ökologischen Fußabdruck der Batterien. Second-Life-Konzepte zahlen direkt auf Ihr ESG-Reporting (Scope 3) ein.

Fazit: Die Energiewende ist ein Marathon, kein Sprint

Die Geschichte von Fenecon und den Fisker-Batterien ist ein Symbol für die neue Energiewelt. Sie ist pragmatisch, technisch innovativ und zutiefst vernetzt. Wir dürfen die Energiewende nicht als Last begreifen, die uns die Regulatorik aufzwingt. Sie ist die Chance, unsere Infrastruktur auf ein völlig neues Level an Effizienz zu heben.

2030 wird es völlig normal sein, dass die Batterie Ihres alten E-Autos im Keller Ihres Stadtwerks für die Stabilität des lokalen Netzes sorgt. Wer heute die Weichen stellt und in diese Flexibilität investiert, wird zu den Gewinnern der Transformation gehören. Physik und Wirtschaftlichkeit sprechen eine klare Sprache – wir müssen sie nur konsequent anwenden.

Praxis-Fragen für Ihr Stadtwerk

Experten-Antworten von Emma Energie

Die Bewertung erfolgt durch einen Vergleich der vermiedenen Netzausbaukosten (Tiefbau, Kupfer, Transformatorentausch) mit den CAPEX der Second-Life-Speicher. Da die Anschaffungskosten durch die Nutzung gebrauchter Batterien massiv sinken, können diese Speicher an Netzengpässen als kostengünstigere Alternative zur physischen Netzverstärkung platziert werden, wobei gleichzeitig Erlöse durch die Teilnahme am Regelleistungsmarkt generiert werden können.

Das Stadtwerk muss Speicher als aktive Netzkomponenten in den Netzentwicklungsplan (NEP) aufnehmen und eine Schnittstelle zwischen dem intelligenten Messsystem (iMSys) und dem Batteriemanagementsystem schaffen. Durch diesen Puffer können Lastspitzen von Wallboxen und Wärmepumpen lokal abgefangen werden, sodass die physikalischen Grenzwerte des Netzes nicht erreicht werden und das regulatorisch zulässige Dimmen der Verbrauchseinrichtungen als 'ultima ratio' vermieden wird.

Die Modularität ermöglicht ein 'Pay-as-you-grow'-Modell. Anstatt große, monolithische Speicherprojekte mit unsicherer Auslastung zu finanzieren, kann das Stadtwerk mit kleineren Einheiten an identifizierten Hotspots starten. Bei steigendem Bedarf durch Zubau von PV-Anlagen oder E-Ladestationen werden weitere Module nachgerüstet. Dies schont die Liquidität, reduziert das Investitionsrisiko und erlaubt eine agile Anpassung an die tatsächliche Netzdynamik bis 2035.